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Die Veranstalter eines Filmfestivals wollten in der Reitschule mit einem ehemaligen Polizisten über Flüchtlingspolitik diskutieren. Das Kino des Kulturzentrums verbietet das jedoch kurzfristig. Die Festivalleitung spricht von Zensur.
Publiziert: 19.05.2026, 18:25
Keine Plattform für den ehemaligen Polizisten. Das Reitschulkino wollte mitreden, wer am Orient Express Film Festival nach der Filmvorführung an der Diskussion teilnehmen darf.
Foto: Nicole Philipp
Auf dem Programm des Orient Express Film Festivals in Bern markierte der Spielfilm «To a Land Unknown» den Schlusspunkt. Der Film erzählt die Geschichte zweier palästinensischer Flüchtlinge, die in Athen stranden und in den Strudel der Kriminalität geraten.
Nach dem Abspann war eine Podiumsdiskussion angekündigt – unter anderem mit Alexander Ott, dem ehemaligen Leiter der Fremdenpolizei der Stadt Bern. Doch am Sonntag, am Tag der Filmvorführung, wurde die Veranstaltung im Kino der Berner Reitschule abgesagt.
Instagram-Story mit Text «Die Veranstaltung wurde abgesagt.» und «ACAB» über einem Filmplakat des OEFF mit zwei Männern.
Beitrag in der Instagram-Story des Reitschulkinos.

Screenshot: Instagram
Auf der Website ergänzte das Kino Reitschule das Kinoprogramm durch einen schlichten Hinweis. Auf Instagram fügte es der Absage die Buchstaben «ACAB» hinzu. Die Abkürzung steht für «All Cops Are Bastards» – alle Polizisten sind Bastarde.
Ausladung oder Absage
Eine etwas ausführlichere Begründung für die Absage hat Tahmina Taghiyeva, Projektleiterin des Filmfestivals. Am Freitag wurde sie von einer Mitarbeiterin des Reitschulkinos kontaktiert. «Uns wurde mitgeteilt, dass die Veranstaltung in der geplanten Form nicht stattfinden könne, falls Alexander Ott am Gespräch teilnehme», sagt Taghiyeva.
Für Walter Stoffel, der das Podium zusammengestellt hat und die Diskussion hätte leiten sollen, sind die plötzlich geäusserten Bedingungen des Reitschulkinos inakzeptabel. «Das ist Zensur und kommt gar nicht infrage», sagt der an der Universität Freiburg tätige Professor. Er habe deshalb das Podium abgesagt.

Im Kino der Reitschule nicht willkommen: Alexander Ott, ehemaliger Chef der Fremdenpolizei Bern.
Foto: Raphael Moser
Für die plötzlichen Bedingungen der Reitschule hat auch Taghiyeva wenig Verständnis. «Wir sind nicht nur enttäuscht, wir sind wütend», sagt sie. Man habe das Programm mit den Diskussionsteilnehmenden schon vor Wochen öffentlich kommuniziert. «Wir wussten nicht, dass eingeladene Gäste und Gesprächsformate intern nochmals abgeklärt werden müssen.»
Einflussnahme sei «problematisch und paternalistisch»
Das angespannte Verhältnis zwischen der Polizei und dem autonomen Kulturzentrum ist kein Geheimnis. Weshalb hat die Festivalleitung einen Ex-Polizisten ausgerechnet ins Reitschulkino eingeladen?
«Im Manifest der Reitschule steht, dass es ein Ort sein soll, wo die kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft und den herrschenden Verhältnissen stattfindet. Genau das wollten wir», sagt Tahmina Taghiyeva.
Der Ort wurde auch deshalb gewählt, weil er insbesondere für Menschen mit eigener Flucht- und Migrationsgeschichte ein besonders niederschwelliger und zugänglicher Ort zu sein scheint. Auch im Festivalteam würden viele Migrantinnen und Migranten mitarbeiten. Gerade für sie sei es wichtig, selbstbestimmt entscheiden zu können, wie über Flucht, Migration, Grenzen und Machtverhältnisse gesprochen werde.

In Bern fand vom 13. bis zum 17. Mai 2026 das Orient Express Film Festival statt.
Foto: Nicole Philipp
«Die Perspektive von jemandem, der als Chef der Fremdenpolizei jahrelang Teil des Systems war, wäre sehr wertvoll gewesen», sagt Taghiyeva. Die Einflussnahme der Reitschule auf das Gesprächsformat empfindet sie daher nicht nur als «sehr problematisch», sondern auch als «teilweise paternalistisch».
Reitschulkino gibt Festival die Mitschuld
Was sagt das Reitschulkino zu den Vorwürfen? Auf Anfrage schreibt das Kollektiv, dass man erst zwischen Mittwochabend und im Verlauf des Donnerstags aus den Medien erfahren habe, dass eine Diskussion mit Herrn Ott geplant gewesen sei. Man habe dem Festival «zur konstruktiven Lösung» alternative Orte für die Diskussion – oder eine solche ohne Ott – angeboten.
Weiter sei das Kinokollektiv der Meinung, dass ein Festival, das seit Jahren in der Reitschule Veranstaltungen durchführt, «selbst auf die Idee kommen sollte, dass der ehemalige Chef der Fremdenpolizei als Gast einiges bei uns auslösen wird. Zu Recht – wie wir finden.»
Jugendkulturzentren in Bern und Umge


