Bern – Absage:❗Absage der Filmvorführung und Diskussion von To a Land Unknown im Kino in der Reitschule Bern

Leider mussten wir die heutige Vorführung von To a Land Unknown inklusive Diskussion im Kino in der Reitschule absagen.

Geplant war ein kritischer Austausch mit unterschiedlichen Perspektiven, unter anderem mit Mouataz Alshaltouh, einem der Hauptdarsteller des Films, sowie mit Alexander Ott, ehemaliger Fremdenpolizeichef, und Prof. Dr. iur. Walter Stoffel, Rechtsanwalt und Professor, als Moderator.

Erst zwei Tage vor der Veranstaltung wurde uns vom Kino in der Reitschule mitgeteilt, dass die Diskussion in der geplanten Form nicht stattfinden könne, falls Alexander Ott teilnimmt. Begründet wurde dies mit den politischen Grundsätzen sowie internen Hausregeln der Reitschule gegenüber Polizeivertreter_innen. Da Alexander Ott früher Fremdenpolizeichef war, wurde dies auch auf ihn angewendet, obwohl er heute pensioniert ist. Dabei wurde auch auf das Manifest und die politischen Werte der Reitschule verwiesen.

Wir haben versucht zu erklären, dass das Gespräch ausdrücklich als kritische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven gedacht war und keinesfalls als unkritische Plattform oder Ehrenanlass für jemanden. Gerade deshalb fanden wir die Reitschule eigentlich als passenden Ort für eine solche gesellschaftliche und politische Diskussion.

Auch nach der Lektüre des Manifests hatten wir das Gefühl, dass ein offener und kritischer Dialog grundsätzlich im Sinne des dort beschriebenen politischen und gesellschaftlichen Austauschs gewesen wäre.

Ausserdem wurde uns im Voraus nicht kommuniziert, dass eingeladene Gäste oder Details des Programms nochmals intern abgeklärt oder bewilligt werden müssten. Das Programm sowie die angekündigten Gäste waren bereits seit mehreren Wochen öffentlich auf unserer Webseite und in den sozialen Medien kommuniziert.

Als migrantische Organisation mit einem Team, in dem auch viele Menschen mit Flucht und Migrationserfahrung mitarbeiten, sind wir für diese Themen besonders sensibilisiert. Für uns ist es wichtig, selbstbestimmt entscheiden zu können, wie wir über Flucht, Migration, Grenzen und Machtverhältnisse sprechen und welche Perspektiven dabei sichtbar werden.

Gerade deshalb empfinden wir es als problematisch, wenn über unsere Gesprächsformate und politischen Zugänge von aussen entschieden wird. Für uns stellt sich dabei auch die Frage nach paternalistischen Machtverhältnissen und danach, wer bestimmen darf, welche Formen von Dialog und kritischer Auseinandersetzung legitim sind.

Wir hatten die Reitschule bewusst als Ort gewählt, weil dort viele Menschen zusammenkommen, die selbst von diesen Themen betroffen sind. Uns ist es wichtig, Kunst und Kultur möglichst zugänglich zu machen, insbesondere auch für geflüchtete Menschen, Asylsuchende und Menschen ohne geregelten Aufenthaltsstatus. Deshalb stellen wir bei unseren Veranstaltungen auch Freitickets zur Verfügung.

Gleichzeitig ist uns bewusst, dass es trotz Freitickets viele unterschiedliche Hürden und Barrieren gibt, weshalb kulturelle Räume für viele betroffene Menschen oft trotzdem nicht einfach zugänglich sind. Gerade deshalb erschien uns die Reitschule als ein besonders passender Ort, um diesen Film und das Gespräch dort stattfinden zu lassen und Menschen einen möglichst niederschwelligen Zugang zu ermöglichen.

Da wir unter diesen Bedingungen das Gespräch nicht in veränderter Form durchführen wollten, diese Einschränkung als problematisch wahrnehmen und keine Zensur akzeptieren möchten, haben wir uns entschieden, die Veranstaltung abzusagen.

Wir bedauern diese Situation sehr, insbesondere gegenüber unseren Gästen und Besucher_innen.

Das übrige Festivalprogramm findet wie geplant statt.

Vielen Dank für euer Verständnis.

Das OEFF Team

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